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Was du als Azubi tun musst, wenn es dich erwischt

Du liegst völlig verschnupft mit Fieber im Bett. Dir geht es richtig elend und du weißt: Es macht keinen Sinn, so krank zur Arbeit zu gehen. Doch was musst du als Azubi jetzt überhaupt machen? Kann es negative Folgen haben, wenn du dich krankmeldest? Erfahre, was du wissen musst, wenn es dich während der Ausbildung erwischt.

Krank in der Ausbildung: Sofort-Checkliste

Es kann immer mal passieren, dass du aufgrund deines Gesundheitszustandes nicht arbeitsfähig bist. Das solltest du dann beachten:

Am 1. Krankheitstag
  • Melde dich vor Arbeitsbeginn bei deinem Ausbildungsbetrieb krank – am besten telefonisch.
  • Informiere den Betrieb, wie lange du voraussichtliche fehlen wirst.
  • Informiere zusätzlich die Berufsschule, wenn du auch dort fehlen wirst.
Ab dem 3. oder 4. Krankheitstag
  • Geh zum Arzt und lass dir eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausstellen.
  • Informiere deinen Ausbildungsbetrieb. Dieser kann die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) bei deiner Krankenkasse abrufen.
  • Beachte: Manche Betriebe verlangen schon ab dem ersten Tag eine AU. Schau in deinen Ausbildungsvertrag, ob du dazu eine Info findest. Wenn nicht, hake bei der Personalabteilung nach.
  • Übrigens: Die Krankmeldung brauchst du auch, wenn du im Zeitraum deiner Erkrankung Berufsschule hast, denn diese ist fester Teil deiner Ausbildung.
  • Bist du länger erkrankt, brauchst du eine neue AU, die dein Arbeitgeber elektronisch abrufen kann. Informiere ihn zeitnah darüber.

Wie viele Fehltage sind okay?

Es gibt keine festgelegte Maximalanzahl an Fehltagen in der Ausbildung. Auch wenn sich das erstmal gut anhört, gibt es ein Aber: Es kommt nämlich immer auf die Gesamtsituation an.

Etabliert hat sich inzwischen die 10-Prozent-Regel. Das heißt: Wenn du mehr als 10 Prozent deiner Ausbildungszeit fehlst, wird es kritisch. Bei einer Ausbildungsdauer von drei Jahren wären das ungefähr 64 Arbeitstage. Diese Grenze ist wichtig: Hast du zu viele Fehlzeiten, kann es passieren, dass du nicht zur Abschlussprüfung zugelassen wirst.

Für die Abschlussprüfung gilt nämlich:

  • Du musst ausreichend ausgebildet worden sein.
  • Zu viele Fehlzeiten können deine Zulassung zur Prüfung gefährden.
  • Die zuständige Kammer (IHK, Handwerkskammer, etc.) entscheidet im Einzelfall.

Wann wird es wirklich kritisch?

Erkrankungen sind kein Kündigungsgrund. Aber es gibt Grenzen. Du kannst durchaus gekündigt werden, wenn

  • du sehr häufig für ein, zwei Tage fehlst, sogenannte Kurzerkrankungen
  • du im Laufe deiner Ausbildung nicht mehr gesund wirst
  • du aufgrund deiner Erkrankung für deinen Ausbildungsberuf nicht mehr geeignet bist, z.B. weil du bestimmte Allergien entwickelt hast
  • durch deine Fehlzeiten das Ausbildungsziel gefährdet ist.

Kann ich die Ausbildung verlängern?

Ja! Wenn du längere Zeit krank warst und die Ausbildungsinhalte nicht ausreichend vermittelt bekommen hast, kannst du eine Verlängerung der Ausbildungszeit beantragen. Das läuft über die für deinen Ausbildungsberuf zuständige Kammer und gibt dir die Chance, trotz Krankheit dein Ausbildungsziel zu erreichen.

Steht mir bei Krankheit Ausbildungsvergütung zu?

Auch als Azubi hast du Anspruch auf Krankengeld. In den ersten sechs Wochen deiner Erkrankung zahlt dein Ausbildungsbetrieb deine Ausbildungsvergütung weiter. Nach Ablauf der sechs Wochen bekommst du Krankengeld von der Krankenkasse. Dieses ist deutlich geringer als deine Ausbildungsvergütung.

Anders verhält es sich, wenn du gerade erst deine Ausbildung begonnen hast. Ein frisch gebackener Azubi hat in den ersten vier Wochen seiner Beschäftigung im Krankheitsfall keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Tipps für den Azubi-Alltag:

✓ Dokumentiere deine Krankmeldungen und AUs – für alle Fälle.

✓ Kommuniziere offen mit deinem Ausbilder über längere Erkrankungen.

✓ Hole Unterrichtsstoff nach, sobald es dir besser geht.

✓ Kuriere dich richtig aus – verschleppte Krankheiten führen zu noch mehr Fehlzeiten.

✓ Geh nicht krank zur Arbeit – das ist weder für dich noch für andere gut.

Bleib entspannt, aber verantwortungsvoll

Krank sein ist menschlich und passiert jedem mal. Solange du dich an die Regeln hältst und fair gegenüber deinem Ausbildungsbetrieb bleibst, bist du auf der sicheren Seite. Bei längeren oder häufigeren Ausfällen sprich rechtzeitig mit deinem Ausbilder – gemeinsam findet ihr meist eine Lösung. Denk immer dran: Deine Gesundheit geht vor! Eine gut auskurierte Grippe ist besser, als sich drei Wochen mit halbem Tempo durch die Ausbildung zu schleppen.

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